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Burma hofft auf "die Lady"

Erzbischof Charles Maung Bo Viele Augen sind auf Burma gerichtet: Fast sechzig Jahre war das „Goldene Land“ von einer Militärdiktatur weitgehend abgeschottet. Jetzt scheint Burma die Fesseln abzustreifen, die Welt erinnert sich an den Rohstoffreichtum des Landes, Goldgräberstimmung breitet sich aus. Doch noch ist Burmas Weg gefährdet, Gewalt gegen Minderheiten an der Tagesordnung, das Militär steht drohend im Hintergrund. Jetzt sind glaubwürdige Persönlichkeiten gefragt. Einer der wichtigsten Brückenbauer, der katholische Erzbischof von Rangun, Charles Maung Bo, war Gast einer Domspatz-Matinée im Haus des Stiftens, zu der die Agentur Ragg´s Domspatz und das Don Bosco Stiftungszentrum eingeladen hatten.

Bischof Bo, ein Salesianer Don Boscos, sieht Burma schon ganz „nah an der Demokratie“. Schon jetzt seien die Menschen entspannt, die gedrückte Stimmung sei gewichen, sagte er in einem einstündigen Interview mit Michael Ragg. Der Weg in Richtung Demokratie und Freiheit sei kaum umkehrbar, auch habe das Land keine andere Chance, als sich dem Westen zu öffnen – zu stark werde sonst der Einfluss des rohstoffhungrigen Nachbarn China. Positiv bewertet der Bischof die Aufhebung fast aller Sanktionen durch den Westen. Diese hätten nur den Armen geschadet und auch die Arbeit der Missionare behindert.

Große Hoffnung setzt der Erzbischof auf eine mögliche Präsidentschaft der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ab 2015. Seit Jahrzehnten ist der Erzbischof der bekanntesten Persönlichkeit Burmas und ihrer Familie eng verbunden, oft hat er „die Lady“, wie man sie in ihrer Heimat nennt, in der Zeit ihres Hausarrestes „bei Nacht und Nebel“ besucht. Ihre Tante wurde von Erzbischof Bo selbst katholisch getauft, auch ihre Mutter, die frühere Botschafterin Burmas in Indien, konvertierte kurz vor ihrem Tod. Mit Suu Kyis Ehemann, dem 1999 verstorbenen Harvard-Professor Michael Aris, einem gläubigen Katholiken, stand der Erzbischof seit 1994 in Verbindung.

Der Bericht von den Taufen in der bekanntesten Familie Burmas wirft auch Licht auf das anhaltende Wachstum des Christentums. Seit den Fünfzigerjahren sei etwa die Zahl der Katholiken von 350.000 auf 880.000 gewachsen, auch der Anteil an der Bevölkerung sei von unter einem Prozent auf 1,7 Prozent gestiegen. Gerade unter den ethnischen Minderheiten wie den Kachin, Karen oder Shan ließen sich oft die Einwohner ganzer Dörfer katholisch taufen. Die immer noch nicht beendeten Konflikte der Regierung mit den Minderheiten seien ursprünglich religiös motiviert gewesen, da der Buddhismus Ende der Fünfzigerjahre zur Staatsreligion erhoben wurde und die Minderheiten stark christlich orientiert waren. Inzwischen sei daraus zusätzlich ein Kampf um Rohstoffe, um Jademinen oder Teakwälder geworden. Die Minderheiten sollen die Rohstoffgebiete räumen, damit sich andere daran bereichern können.

Falsch dargestellt werde im Westen oft die Auseinandersetzung zwischen den Burmesen und der muslimischen Volksgruppe der Rohyngia. Erzbischof Bo zeigte Verständnis für die Angst der Menschen vor einer Überfremdung durch die stark wachsende Minderheit, bei denen Männer oft vier oder sechs Frauen hätten. Der weitaus größte Teil dieser Volksgruppe sei illegal aus Bangladesch eingewandert, nachdem es auch dort Repressalien gegen sie gegeben hätte.

Erzbischof Bo hofft auf ein Ende der „nach wie vor bestehenden Diskriminierung der Christen“ und auf eine Rückgabe der 1965 enteigneten katholischen Schulen und Hospitäler. Burma sei vor der Diktatur eines der reichsten Länder Asiens gewesen, jetzt gehöre es zu den ärmsten. Die Kirche könne einen großen Beitrag zur Verbesserung der sozialen Situation leisten, brauche dazu aber Unterstützung aus dem Westen. Wirksame Hilfe bringe etwa die unter dem Dach des Stiftungszentrums der Salesianer errichtete Dr. Michael und Angela Jacobi Stiftung, die unter anderem ein Waisenhaus der Salesianer in Burma finanziert.

Angela Jacobi mit Waisenkindern aus Lashio/Burma Die ebenfalls anwesende Gründerin der Stiftung, Angela Jacobi, war kürzlich für ihr Engagement in Indien und Burma mit der „GOLDENEN BILD der FRAU“ ausgezeichnet worden. Sie hob hervor, wie hilfreich es ist, sich unter dem Dach der Salesianer engagieren zu können: „Es spart Verwaltung und Kosten, gibt Spendern Sicherheit und uns eine Reputation, die wir als freie Initiative nie hätten erlangen können“, betonte die Stifterin.

Die Jacobi-Stiftung ist inzwischen eine von 191 Stiftungen, die unter dem Dach des Stiftungszentrums der Salesianer arbeiten. Sie alle nutzen den enormen Sachverstand der im „Haus des Stiftens“ versammelt ist. „Man muss beileibe kein Millionär sein, um eine Stiftung zu gründen“, betonte der Vorstandsvorsitzende der Don Bosco Stiftung, Pater Herbert Bihlmayer SDB. Auch mit vergleichsweise bescheidenen Beträgen könne man viel bewegen. Pater Bihlmayer begrüßte im Publikum den bekannten Dirigenten Christoph Poppen und seine Ehefrau, die Opernsängerin Juliane Banse, und erinnerte an ein Benefizkonzert, das beide zugunsten der Jacobi-Stiftung gegeben hatten. Mit dem Erlös von dreitausend Euro sei es möglich gewesen, das Kinderheim in Burma ein Jahr lang zu unterhalten. Oft sei es aber sinnvoll, zuerst das eigene Alter abzusichern und eine Stiftung testamentarisch zu errichten.

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